30-Jahr-Feier
Bericht Gießener Zeitung 27.10.09
Am 1. November, feiert der elternbund hessen im Gießener Mathematikum seinen 30. Geburtstag.
von aus Stadt und Land am 27.10.2009
Gießen| Seit nunmehr 30 Jahren engagiert sich der elternbund hessen e. V. (ebh) für eine kindgerechte und demokratische Schule. Eine Schule für alle, die kein Kind zurück lässt. Er mischt sich engagiert in die bildungspolitische Diskussion ein und nimmt an Anhörungen und Podiumsveranstaltungen teil. Er unterstützt Eltern und gewählte ElternvertreterInnen durch Publikationen, Informationsveranstaltungen und beantwortet ihre Fragen am ebh-Elterntelefon.
In den 30 Jahren seines Bestehens hat der ebh sich für die Einführung von Förderstufen und Gesamtschulen eingesetzt, für mehr Ganztagsschulen, für bessere Chancen für Migrantenkinder, für den gemeinsamen Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern, für mehr Mitbestimmung von Eltern, Schülerinnen und Schülern. Nur durch eine Reform des Schulsystems kann das Recht auf gleiche Bildungschancen verwirklicht werden. Nur in einer demokratisch gestalteten Schule kann Demokratie gelebt und gelernt werden.
Dass die Forderungen des elternbund hessen richtig sind, zeigen nicht zuletzt die PISA-Studien und der Bericht des UN-Sonderberichterstatters für das Rechtauf Bildung Professor Vernor Muñoz Villalobos. Sie belegen, dass die Bildungschancen in Deutschland sehr stark von der sozialen Herkunft abhängen. Um diesem Misstand zu begegnen, muss das Schulsystem transparenter und durchlässiger gestaltet werden. Die frühe Festlegung benachteiligt Kinder aus bestimmten Milieus und die Schulformen selbst sind unterschiedliche Sozialisationsmilieus, die den Haupt-, Real-, Förderschüler und Gymnasiasten erst hervorbringen.
Heute kann der elternbund sagen: Wir haben etwas erreicht! Immer mehr Eltern wollen das Länger-Gemeinsam-Lernen. Das zeigen nicht nur die Elternwünsche nach Plätzen im Gemeinsamen Unterricht (GU), sondern auch die steigende Nachfrage nach Plätzen in Integrierten Gesamtschulen. Auch das höchste demokratisch gewählte Gremium der Elternvertretung, der Landeselternbeirat von Hessen, spricht sich heute für den Gemeinsamen Unterricht und für mehr Durchlässigkeit im Schulsystem aus.
Zu seinem Geburtstag wünscht sich der elternbund hessen Schulen, die Raum und Zeit für selbstorganisiertes Lernen und persönlichkeitsbildende Erfahrungen bieten, die auf Noten und andere disziplinarische Maßnahmen als Druckmittel verzichten, und statt dessen Schülerinnen bzw. Schüler individuell achten und fördern, die ihnen Freude am Lernen vermitteln und sie zu selbstbestimmten, kreativen, sozial und ökologisch verantwortlich handelnden Menschen erziehen.
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Bericht Gießener Anzeiger 02.11.09
"Unverzichtbare Partner für Schulen und Lehrer"
02.11.2009 - GIESSEN
Elternbund Hessen feiert im Mathematikum seinen 30. Geburtstag -Kultusministerin Dorothea Henzler gratuliert
(fod). 30 Jahre ist es nun her, dass in Gießen im Jahr 1979 als Zusammenschluss reformorientierter Eltern der Elternbund Hessen gegründet wurde. Seit damals setzen sich seine Mitglieder für eine humane Schule ein, in der Kinder miteinander und voneinander lernen und in der jedes Kind seine individuellen Fähigkeiten entwickeln kann. Zu den Gästen der Jubiläumsfeier gestern Mittag im Mathematikum gehörte auch die hessische Kultusministerin Dorothea Henzler.
Nachdem die jungen Musiker des Fagottensemble "Basswürmer" der Musikschule Gießen die auch von Landtagsabgeordneten verschiedener Parteien besuchte Feier eröffnet hatten, überbrachte Henzler ihre Glückwünsche zum runden Jubiläum. "Nur wenn Eltern und Schule an einem Strang ziehen, ist die Vermittlung von Wissen und Persönlichkeitsbildung der Kinder überhaupt möglich", betonte die Ministerin und würdigte das große Engagement der Mitglieder des Elternbunds Hessen, "auch wenn wir in manchen Dingen nicht immer einer Meinung waren". Henzler sah in der Vereinigung wie auch in den Vertretern der Elternbeiräte "unverzichtbare Partner" der Schulen und Lehrer. Beide Seiten verfolgten das gleiche Ziel und suchten nach der besten Lösung, hob sie hervor, "deshalb müssen sich Eltern und Lehrer akzeptieren und einander gegenseitig Vertrauen und Kooperationsbereitschaft entgegenbringen". Denn letztendlich dürfe Schule Entscheidungen "nicht an den Eltern vorbei treffen", so Henzler.
Diese Aussagen waren ganz im Sinne vom Elternbund-Vorsitzenden Dr. Sven Bade. Genauso begrüßte er das von ihr angekündigte Vorhaben, den Schulen mehr Selbstständigkeit zu geben. "Das wird die Schulen stärken, verlangt aber von uns auch, dass wir mehr Eltern für eine Mitwirkung bei der Gestaltung gewinnen", gab Bade als Ziel für die nahe Zukunft aus. Denn es bleibe weiterhin die Aufgabe, den Schülern ein "stressfreies Lernen und mit Freude" zu ermöglichen. Und nicht etwa durch eine stärkere Selektion den Druck noch zu erhöhen, dem viele Kinder psychisch nicht gewachsen seien. Sollten mehr Ganztagsschulen eingeführt werden, was bei einer Schulzeitverkürzung notwendig wäre, forderte der Vorsitzende, dass dann "die Voraussetzungen stimmen müssen" und auch Erkenntnisse etwa aus der Lern- und Gehirnforschung mit einfließen. "Bei vielen Menschen liegen Potenziale brach, weil sie in der Schule nicht richtig gefördert wurden", folgerte er.
Dorothea Henzler verkündete zudem die gute Nachricht, dass von knapp 3300 unbesetzten hessischen Lehrerstellen dieses Jahr über 2200 neu besetzt werden konnten. Überdies seien rund 1000 Stellen neu geschaffen worden, "so viele auf einen Schlag gab es noch nie zuvor". Bis zum Ende der Legislaturperiode wolle man eine 105-prozentige Quote erreichen, um Unterrichtsausfall zu vermeiden, teilte die Ministerin mit und nannte die Aufstockung des Lehrmitteletats als weitere Verbesserung.
Da Henzler die Jubiläumsfeier aus terminlichen Gründen schon nach einer Stunde wieder verlassen musste, blieb für eine Diskussion manch konträrer Standpunkte beider Seiten, wie etwa dem Wunsch von Elternbund und vieler Eltern nach einem längeren gemeinsamen Lernen, keine Zeit mehr. Und so kamen die Gäste in den Genuss der sehr unterhaltsamen Show der Improvisationstheatergruppe Comedy-Company aus Göttingen, die auch moderierend durch das Programm führte.