Navigation


RSS: articles / comments



Lernmittelfreiheit

Beim ersten Elternabend im neuen Schuljahr werden die Eltern darüber informiert, dass bestimmte Lesebücher, Fibeln, Lektüren etc. für die Kinder angeschafft werden sollen. Die Eltern werden gebeten, dem a) zuzustimmen und b) ihren Kindern den entsprechenden Betrag mitzugeben.

Die Bücher sollen am Ende des Schuljahres in den Bestand der Schule übergehen.

Es ergeben sich hierbei zwei Fragen:

  1. Müssen Eltern für Ihre Kinder "Schulbücher" kaufen (lassen)?
  2. Kann die Schule verlangen, dass diese Materialien in den Bestand der Schule übergehen?

Die Rechtslage
Eltern können - rein rechtlich betrachtet - von der Schule nicht verpflichtet werden, Geld für Schulbücher mitzubringen. Aber, die Materie ist im Detail doch ein wenig kompliziert.
Das Hessische Schulgesetzt (HSchG § 153 Abs. 1) verspricht "Lernmittelfreiheit". Das heißt, dass Schulbücher und Lernmaterialien den Schülern und Schülerinnen (der öffentlichen Schulen) kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Ausgenommen sind Sachen, die auch außerhalb der Schule genutzt werden, wie z.B. Stifte, Hefte, Malkasten, Geodreieck, Taschenrechner, Musikinstrumente, etc. Die Finanzmittel, die das Land Hessen für diese sog. Lernmittelfreiheit zur Verfügung stellt, sind allerdings sehr begrenzt. (Allerdings ist in der Koalitionsvereinbarung der jetzigen hessischen Landesregierung eine Mittelaufstockung vorgesehen). Gleichzeitig wollen die Lehrkräfte vernünftiges Unterrichtsmaterial verwenden, weil dann das Lernen effektiver ist und mehr Spaß macht. Außerdem bietet sich gerade im sprachlichen Unterricht eine Vertiefung durch Arbeitshefte (workbooks) an. Diese Hefte werden von den Schülern bearbeitet und dabei wird natürlich auch hineingeschrieben. Werden die Eltern nun zur Kasse gebeten, sind sie in der Regel bereit, die Kosten zu tragen, um einen guten Unterricht zu unterstützen.

Wir haben festgestellt, dass zum Schuljahresanfang rund 130 € anfallen - ohne Turnsachen, Ranzen, Mäppchen (vgl. elternbrief Nr. 81 März '05). Dies ist viel Geld, erst recht, wenn in einer Familie mehrere Schulkinder leben. Außerdem leben Familien mit mehreren Kindern und Einelternfamilien vermehrt an oder unter der Armutsgrenze. Diesen fällt es nicht nur extrem schwer, die finanziellen Mittel aufzubringen, oftmals schämen sie sich auch, ihre angespannte finanzielle Lage anzusprechen.
In diesem Zusammenhang sei auch auf das sog. Schulbedarfspaket (Familienleistungsgesetz) in Höhe von 100 € (mit Beginn des Schuljahres 09/10) hingewiesen.

Unser Vorschlag im konkreten Fall
Überlegen Sie zunächst - zusammen mit der Lehrkraft - ob es eine andere Möglichkeit gibt als die Anschaffung teurer Bücher und Fibeln. Schauen Sie - als Elternvertreter oder Lehrkraft - inwiefern dieses "Schulgeld" für manche Familien eine zu hohe finanzielle Belastung sein kann und versuchen Sie Lösungen zu finden. Vielleicht macht man einen gemeinsamen Topf und sponsort daraus die Bücher der Kinder aus finanzschwachen Familien. Oder man fragt den Schulelternbeirat, ob es Möglichkeiten der Unterstützung aus der Elternspende gibt. Auch der Förderverein einer Schule kann helfen

Zur Aufstockung der Schulbücherei gibt es mehrere Wege:
a) die Elternspende
b) den Förderverein
c) Erlös aus einem Schulfest, Flohmarkt oder Sponsorenlauf

Schulen, die bereits über ein eigenes Budget verfügen, können im Rahmen ihres eigenen Haushaltes über die Mittelverwendung entscheiden. Entscheidungsgremium der Schulen ist die Schulkonferenz, die auf Basis von Anträgen und Empfehlungen entscheidet. Hier bietet sich für Eltern die Möglichkeit, mit zu entscheiden bzw. Anträge einzureichen.

Mehr zum Thema "Lehr- und Lernmittel, Budgetierung" im ebh-Elternratgeber I - Der Klassenelternbeirat (S. 27)